... Eine neue Mode wird erfunden, und höhere Preise verlangt. Bezahlt. Und danach suchen wir. Finden es einmalig und chic. Es ist skurril, aber normal. Frau Meyer von Nebenan, Chantalle und Schwiegermutter sind immer auf dem neuesten Stand. Da will man doch nicht hinterherhinken. Internet, Zeitschriften und TV geben ihr Bestes, um das Wetter oder die News über ein aktuelles Massaker nicht all zu blass erscheinen zu lassen. Designer präsentieren neue Kreationen an und mit ihren Modells und Promis. Wir mögen es. Müssen es haben, und lieben den Augenblick es auf dem nächsten Geburtstag selber mit Haut und Haar präsentieren zu dürfen. ___ 2015 / Dieses Jahr wird tolerant.
Viele Varianten und Experimente werden akzeptiert. Und verziehen. Es gibt Punkte, Streifen und leider immer noch das viel diskutierte Leopardenmuster. Aber wem es steht.... Schlichtes und jungfräuliches Weiß ist ebenso ein Eyecatcher, wie ein buntes Durcheinander. Ein Testbild aus den 70gern. Schrilles und Weites darf oder sollte getragen werden, wenn Gockelhals und Wampe kaschiert werden müssen. Fließende und figurbetonte Outfits sind zu empfehlen und bei Männern gewünscht, wenn sich darunter eine delikate Figur erahnen lässt. Die Asseccoires sind wichtig. Schmuck, Schuhe und Schal (ja liebe Frauen, auch wenn es im August 35 Grad im Schatten sind) werden gewünscht. Mal als Verzierung, mal als Ablenkung. ___ Erster Fall: 22 Jahre jung, 172 cm, 23 kg. Glitzernder Catsuit, fünzig Zentimeter Absätze an den gepflegten Patschefüßchen und eine dunkelbraune Mähne bis zum Arsch. Das eäre doch ein Dreck! Würden da nicht die dezente Armbanduhr am elfengleichen Handgelenk und die kleinen Brillies von Cartier im Sonnenuntergang funklen. ___ Zweiter Fall: 57 Jahre greisenalt, 158 cm, 156578940 kg. Glitzernder Catsuit, fünzig Zentimeter Absätze an den Hornhautmauken und eine graue Mähne bis zum Arsch. Das wäre doch ein Dreck! Würden da nicht die protzige Armbanduhr ins Handgelenk schneiden und die drei Kilo schweren Brillies von Cartier die Ohrläppchen bis knapp über die Grasnaht ziehen. ___ STEHT MIR DAS ? (wer bin ich?) Sollte man mit dem Trend gehen? Der neuen Mode? Sich den Designern und Medien unterwerfen? Es ist die Frage, ob es einem gefällt, ob es einem steht oder ob man sich darin wohl fühlt. Will ich mit der Mode gehen? Auf der KÖ in Düsseldorf und in den Discountern in Neukölln werden jede Saison Mann und Frau die aktuelle Mode angepriesen, verkauft oder verteufelt. Aber wo bleibt der eigene Geschmack? Die Persönlichkeit? Der Mut? Der Mut zu sagen, dass wir Neues begrüßen, aber immer noch zu dem Alten stehen? Der Mut zu sagen, dass wir uns von einer neuen Kollektion anregen,aber nicht manipulieren lassen? Also: wieviel sehr lasse ich mich inspirieren und wieviel lasse ich von meinem persönlichen Geschmack leiten? ___
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